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NEULICH IN ...
(Intro
10/2007)
In die Charts kommt diese Band in absehbarer Zeit wohl nicht. Aber
der Name ist auch eher ironisch gewählt. Oder als ausgefuchste
Anspielung auf die Zusammenhänge ihrer Texte. Darin werden
gern popkulturelle Allgemeinplätze hin und her gewendet. Im
dritten Stück zum Beispiel bekommt ein Parkpanorama mit
Joggern und Abhängern plötzlich bedrohliche Züge,
weil man sich an der Idylle sattgesehen hat. Überhaupt fällt
ein ähnlicher Umgang mit der Lebenswelt Pop auf, der auch Alben
von Jens Friebe, Das Bierbeben oder PeterLicht so großartig
macht. Über die Synthielinien werden solche Texte in typisch
deutscher Manier eher skandiert als gesungen und reihen sich in
das ein, was aus der Hamburger Schule geworden ist. Manchmal wünscht
man sich mehr Hysterie, wahlweise auch inszenierte Unterkühltheit.
Aber das ist schon alles, was gegen die Band einzuwenden ist. Denn
mal ehrlich: Kann man von Parolen, die zu ironisch sind, um wirklich
welche zu sein, je genug kriegen?
(Hochschulradio
Stuttgart 2007, www.horads.de)
Mit Synthie-Klängen und ausgefuchsten Texten feiert das Trio
aus Hamburg sein Debütalbum. Bestückt mit 11 Titeln ist
alles vertreten, von fluffig bis wavig und fast schon peinlich bis
hammercool.
»Die Charts« - bestehend aus Mitgliedern von »Schneller
Autos Organisation« und »Amtrak« - gehen hier
neue Wege. Diese Konstellation hat wenig mit ihren bisherigen Bands
gemeinsam. Sie haben sämtliche Saiteninstrumente über
Bord geworfen und bedienen sich allerlei Synthie-Klängen. Sie
klängen »wie ein Chansonabend auf dem Jahrmarkt, Dramatik
in der Disco oder Welttheater in drei Minuten« - sagen sie
selbst über sich.
Der Gründungsmythos geht laut Bandhomepage so: bei einem Besuch
im Musikinstrumente-Museum wollte die Gruppe mit Hilfe eines Verfahrens
temporärer Unsichtbarmachung mehrere altertümliche Instrumente
entwenden, um den bereits lange schwelenden Gedanken größtmöglicher
Distinktion gegenüber dem »Rock-Pop-Betrieb«
auch ganz praktisch in die Tat umsetzen zu können. Dies misslang
aufgrund mysteriöser Umstände und die Gruppe musste schon
vor ihrer Gründung bereits wieder ganz von vorne anfangen…
»Die guten und die schlechten Zeiten sind vorbei« erinnert
stark an das, was aus der Hamburger Schule geworden ist und reiht
sich auch genau hier ein. Ihre Lieder singen sie in typisch deutscher
Manier - mehr skandiert als gesungen. Genau dies könnte man
bemängeln, denn ab und an wünscht man sich doch mehr Hysterie
in den Liedern oder wahlweise auch inszenierte Unterkühltheit.
Lobenswert zu erwähnen ist das Erscheinen einer LP inklusive
der CD. Gespannt darf man darauf sein, welche Zeiten das Debütalbum
durchleben wird.
Pop Frontal (3/2008)
Texte mit Sinn, Tasten mit Flow. Nils Schuhmacher mit seinem Gesang und seinen Texten begegneten uns zum ersten Mal mit der Band Pankzerkroiza Polpotkin. Später tauchte er als Sänger bei der Band Schneller Autos Organisation wieder auf, die 2004 ihre Debütplatte "World" herausbrachte. Auffallend: Die Texte von Nils Schuhmacher sind immer superlang, die Themen abstrakt, die Worte sehr gewählt und "nie gut gelaunt" (Ale Dumbsky). 2007 brachte die Schneller Autos Organisation ihre zweite Platte "Noch mehr Hoffnung, für noch mehr Menschen" heraus. Und zwischen diesen beiden Platten entstand die Band Die Charts mit Nils am Gesang und Rebekka Oehms an den Tasten, deren Band Amtrak seit einiger Zeit pausiert, plus Beats von Paul Dose. Die Texte handeln vom Ausblick von Gefangenen im Gefängnis in der Holstenglacis auf Hamburgs Vorzeigepark Planten Un Blomen ("Manchmal habe ich mich schon lange sattgesehen"), Szenezugehörigkeit und deren Folgen ("Ausgehtipp"), Selbstzweifel ("Satz mit ich"), Zweifel an der Welt ("Letztes Krisengebiet") und irgendwie von Liebe ("Jacken an!"). Nils hört man an, dass er nicht gerade eine Gesangsausbildung hinter sich hat. Und das weiß er auch. Aber das soll so sein. So stehen die Texte mehr im Vordergrund. Die Tastenmusik von Rebekka begleitet den Gesang swingend und luftig, und man ahnt, dass Rebekka klassischen Klavierunterrricht hatte. Manchesmal fühlt man sich an Jahrmarkts- und Kabarettmusik erinnert. Sehr charmant. Im Juni 2007 brachten sie ihr Debüt namens "Die guten und schlechten Zeiten sind vorbei" auf dem Label "Polpop" heraus, gemischt und produziert von Kevin Hamann (ClickClickDecker). Nach der Tour im Januar spielen Die Charts am kommenden Samstag einen Gig im Hamburger Völkerkundemuseum im Rahmen der Ausstellung "HipHop, Klassik, Balkan-Pop". (Harald Retzbach).
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